Aschauer Klamm

Helle Schlucht von Schneizlreuth
In der Aschauer Klamm leuchten die Steine in Weiß und Gelb

Aschauerklamm

Wollte man Schluchten den vier Temperamenten zuordnen, dann könnte man die Aschauer Klamm sanguinisch nennen, während sich die meisten anderen eher cholerisch geben. Ganz weiß oder in einem ungewöhnlich hellem Gelb leuchten hier die runden Kullersteine, so dass sich selbst tiefe Gumpen nur in ein helles Grün färben. Waschmittelwerbung kommt einem da in den Sinn: Dieser Bach wäscht weißer als weiß. Keine dunklen Felsriegel schieben sich eng heran, das Tal ist weniger schattig als andere. 

Zwar wird man schon am Einstieg, am romantischen Haiderhof bei Schneizlreuth, durch ein Schild amtlich gewarnt: „Nur für Geübte. Begehen auf eigene Gefahr.“ Aber gleich dahinter öffnet sich ein liebliches Bilderbuchtälchen, bedeckt mit Wiesen, Weidenbäumen und Latschen, wie man sie erst wieder in höheren Bergetagen findet. Problemlos ist der Pfad begehbar, auch für Kinder, die kleine Sandstrände und Wasserlöcher zum Spielen und Plätschern laden. Selten entfernt sich der Weg weiter als fünf Meter vom Bachbett, noch seltener geht’s höher hinauf. Nicht ganz schwindelfreien Wanderern bleibt somit der in Schluchten übliche Blick in den Abgrund erspart. Trittsicher sollten sie trotzdem sein, denn immer wieder sind kurze Wegstücke gefährlich abgerutscht. Ein kleiner Stausee sammelt Wasser für die Haidermühle. Auch der Aschauer Bach wurde früher angestaut, um eingeschlagenes Holz von der noch aus dem 18. Jahrhundert stammenden Aschauer Klause bis zur Saalach hinunter zu driften. 

Unter der ersten Brücke beginnt der eigentlich steilere Steig, an der zweiten annoncieren die „Drei Brüder“, ein hübsches Gasthaus drüben im Salzburgischen Dörfchen Reith, der mögliche Endpunkt einer längeren Tour über den Grenzweiler Aschau (Rücktransfer per Bus). Schon an der dritten Brücke, nach ungefähr einer Stunde Gehzeit, ist die Klamm zu Ende. Umkehren kann man auch auf einem sehr empfehlenswerten Bergsteig, der über Oberjettenberg in anderthalb Stunden zum Brotzeitgarten am Haiderhof zurückführt. Ganz sportliche Leute steigen an der Klause in einen Canyoning-Anzug und stapfen oder hüpfen, bei Niedrigwasser zu Tal.

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