eNature Point am Steinpaß in Melleck eröffnet

eNature Point am Steinpass installiert

Grenzüberschreitendes Naturschutzprojekt mit Interregg-Fördermitteln finanziert

 

eNature Übersicht eNature Steelen eNature Steele 1 mit QR-Code

Auf einer Länge von 400 Metern wurden vor einigen Tagen am Steinpass in der Gemeinde Schneizlreuth, Ortsteil Melleck insgesamt fünf Infosteelen und eine Informationstafel aufgestellt, auf denen Wissenswertes „von Schmetterlingen und ihren Lebensräumen entlang der Grenze“ weitergegeben wird. Konzipiert und finanziert wurde der Lehrpfad im Rahmen des EU Förderprogrammes Interreg V Österrreich / Bayern 2014-2020. In das Projekt sind insgesamt 25 grenzüberschreitende Schutzgebiete eingebunden, die alle über Besonderheiten im Zusammenwirken von Kulturlandschaft, Natur und Artenschutz sowie landwirtschaftlicher Vielfalt verfügen. Für die Umsetzung wurden insgesamt 912.240 € EU-Fördermittel bereitgestellt.

Wie der Mitarbeiter der Biosphärenregion Berchtesgadener Land Georg Kronthaler vor Ort informierte, wurde der eNature Point "Grenzenlose Lebensräume am Steinpass" gemeinsam mit der Biosphären Region Mitterpinzgau thematisch aufbereitet und umgesetzt. Die Projektverantwortliche Tanja Maurer bedauerte es seht, bei der Installation nicht dabei sein zu können. Wie ihr Kollege Kronthaler weiter erläuterte, benötigen Schmetterlinge und Insekten ein vielfältiges Nektar- und Pollenangebot. Deshalb sind auf diesem Weg auch in erster Linie unterschiedlichste Lebensräume und deren Nahrungsangebot beschrieben. Wie auf der zugehörigen Internetseite www.wildundkultiviert.at versprochen, wird sich auch der Schwarze Apollofalter persönlich vorstellen. Damit er dies ab sofort auch tun kann, mussten aber nun erst zusammen mit dem Bauhofleiter der Gemeinde Schneizlreuth Sebastian Bauregger, die fünf Steelen zwischen der Landesgrenze am Steinpass und dem Ausgangspunkt am ehemaligen Wirtshaus „Schöne Aussicht“ in Melleck aufgestellt werden. Eine Informationstafel am Ausgangspunkt informiert darüber hinaus über das Gesamtprojekt und die Stationen. Durch integrierte QR-Codes auf den Infoschildern und angebrachte NFC-Chips an den Steelen ist es für Smartphonebesitzer auch direkt möglich, sich mit der zugehörigen Internetseite zu verbinden und weitere Informationen zum angebotenen Thema abzurufen.

 

Fünf unterschiedliche Themen

 

An der ersten Station geht es um die „Artenreiche Hutweide“. So wird mageres, ausschließlich extensiv beweidetes Grünland bezeichnet. Es kommen nur wenige Tiere auf vergleichsweise großer Flächen und dies nur für kurze Zeitabschnitte. Man kann sich eine Hutweide auch als eine "Alm im Tal" vorstellen. Der Name rührt vom Hirten oder Hüter, der die Weidetiere früher oft beaufsichtigte. Neben Pflanzen der Magerwiesen kommen hier auch einige Weidezeiger, beispielsweise Wildrosen, Brombeeren und andere Dornsträucher vor. Die extensive Beweidung schafft ein reichhaltiges Mosaik an kleinen, unterschiedlichen Standorten und sorgt somit für eine große natürliche Vielfalt. Auch die "Weidegangeln (Trittpfade der Rinder)“ sowie ein großer Solitärbaum, der den Weidetieren Schatten spendet, weisen auf die Nutzung der Fläche hin.

 

An der zweiten Stelle stellt sich dann, wie versprochen, der "Schwarze Apollo" vor. Im Frühjahr finden sich auf den Blättern des Hohlen Lerchensporns (Corydalis cava) die Raupen des Schwarzen Apollofalters (Parnassius mnemosyne). Die kleinen schwarzen Raupen sind an den orangen Punkten leicht zu erkennen. Sie schlüpfen, meist geschützt durch alte Vegetation oder ein Brombeergestrüp, im zeitigen Frühling aus den Eiern. Diese waren bereits im vergangenen Sommer von den Faltern an der richtigen Stelle - nahe eines Hohlen Lerchensporns - abgelegt worden.

 

Als nächstes wird ein „Blütenreicher Saum“ beschrieben. Als Saum bezeichnet man in der Botanik den Übergang von Wald zu Wiese. Säume werden meist nur in mehrjährigen Abständen gemäht um das Aufkommen von Gehölzen zu verhindern. Sie werden oft von mehrjährigen Kräutern wie dem Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum) dominiert. Im Vergleich zu Wiesen treten die Gräser oft in den Hintergrund und Blütenpflanzen bieten einem komplexen Wildbestäubernetzwerk reichlich Nektar und Pollen.

 

An der Station 4 geht es um die „Artenreiche Wiese“. Sie sind in unserer Kulturlandschaft sehr bedeutend für die Nahrungsgrundlage sowie als Lebensraum. Viele Insekten sind auf wenige, manchmal sogar auf nur eine einzige Pflanzenart spezialisiert und brauchen jene um zu Überleben und sich fortpflanzen zu können. Manche bestäubende Insekten bevorzugen spezielle Blütenformen. Als Laie kann man zum Beispiel die Korbblütler (Asteraceaen) ganz einfach von den Schmetterlingsblütlern (Fabaceaen) und den Lippenblütlern (Lamiaceaen) unterscheiden. Ein Korbblütler ist zum Beispiel die Margerite oder auch der Löwenzahn. Schmetterlingsblütler sind alle Hülsenfrüchte. Wildwachsend ist vielen der Rot-Klee und auch der Wundklee bekannt. Bei den Lippenblütlern erkennt man einfach den Wiesen-Salbei oder auch den Küchensalbei.

 

Schließlich geht es auf bereits österreichischen Gebiet, an der Uferböschung des Grenzbaches um die „Bunte Hochstaudenflur“. Diese entstehen an nährstoffreichen Standorten und kommen natürlicherweise nur im Gebirge an der Waldgrenze, in Lawinenrinnen und entlang von Bächen vor. Doch auch ruderale Standorte können sich, bei ausreichend Nährstoffen und Wasser, zu Hochstaudenfluren entwickeln, wenn sie längere Zeit brach liegen. Durch den - manchmal nur saisonal auftretenden - Blütenreichtum sowie die geringe Störungsintensität bieten sie einer Vielzahl von Insekten ideale Lebensräume. Davon ausgenommen sind Bestände von invasiven Neophyten (Goldrute, Springkraut und Japanischer Staudenknöterich), die oft sehr artenarme Bestände ausbilden und die heimische Vegetation verdrängen. Viele Hochstaudenfluren sind temporäre Übergangsgesellschaften, die sich bei ausbleibender Pflege bzw. Störung zu einem Wald weiterentwickeln.

Ziel des Projektes ist die sanfte Inwertsetzung von Prädikatlandschaften und Schutzgebieten der Region und der Aufbau und die Vernetzung eines grenzübergreifenden Schutzgebietsmanagements. Aus diesem Grund haben sich der Biosphärenpark Lungau, die Region Mitterpinzgau und die Biosphärenregion Berchtesgadener Land gemeinsam zur Aufgabe gemacht, ihre Schutzgebiete länderübergreifend zu vernetzen und durch enge Zusammenarbeit einen fachlichen Austausch zu ermöglichen. Weiter soll eine regionalen Schutzgebietsbetreuung etabliert, Etablierung eine regionale Saatgutvermehrung gefährdeter Wiesen- und Ackerwildkrautgesellschaften aufgebaut, Arten- und Lebensraumschutzprojekten umgesetzt, qualifizierter Laien für die Naturvermittlung ausgebildet sowie Wildbestäuberzentren und eines Schutzgebietszentrums zur Etablierung eines sanften Öko-Tourismus eingerichtet werden.

 

Text und Bilder (Urheberrecht) : Werner Bauregger

 

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